Nebenberuflich ein Unternehmen aufbauen: So findest du Zeit trotz Vollzeitjob

Ein eigenes Unternehmen neben einem Vollzeitjob aufzubauen ist weniger eine Frage freier Zeit als eine Frage der Aufteilung. Du brauchst nicht jeden Abend vier Stunden und auch nicht dein komplettes Wochenende. Entscheidend ist, dass du regelmäßig an den Aufgaben arbeitest, die dein Projekt tatsächlich voranbringen.

Mit festen Zeitblöcken, klaren Prioritäten und weniger unnötiger Arbeit lassen sich auch fünf bis zehn Stunden pro Woche sinnvoll nutzen.

Wie viel Zeit brauchst du für ein eigenes Unternehmen?

Du musst nicht jeden freien Moment in dein Business stecken. Gerade am Anfang können bereits wenige konzentrierte Stunden pro Woche ausreichen.

Wichtiger als die reine Stundenzahl ist, was innerhalb dieser Zeit passiert. Drei Stunden, in denen du ein Angebot fertigstellst, Kunden gewinnst oder eine neue Verkaufsseite veröffentlichst, sind wertvoller als zehn Stunden mit Logoänderungen, Recherche und verschiedenen Tools.

Plane deshalb zuerst ein realistisches Wochenbudget. Wenn du beispielsweise dienstags und donnerstags jeweils 90 Minuten und am Samstag drei Stunden zur Verfügung hast, sind das bereits sechs produktive Stunden pro Woche.

Über ein Jahr gerechnet kommt dabei einiges zusammen.

Trenne deinen Hauptjob klar von deinem eigenen Projekt

Wenn du angestellt bist, sollten Hauptjob und eigenes Unternehmen organisatorisch getrennt bleiben.

Nutze Arbeitszeit, Geräte, Zugänge oder andere Ressourcen deines Arbeitgebers nicht einfach für dein eigenes Business. Auch ein schneller Kundenkontakt während der Arbeitszeit kann unnötige Konflikte verursachen.

Prüfe außerdem, ob für eine Nebentätigkeit in deinem Arbeitsvertrag besondere Regelungen gelten.

Eine klare Trennung hat noch einen zweiten Vorteil: Während deiner festen Business-Zeit kannst du dich vollständig auf dein eigenes Projekt konzentrieren, statt beide Bereiche permanent miteinander zu vermischen.

Plane feste Zeiten statt „wenn ich Zeit habe“

„Ich mache das heute Abend irgendwann“ ist kein besonders belastbarer Zeitplan.

Reserviere konkrete Zeitfenster.

Zum Beispiel:

  • Dienstag 19:00–20:30 Uhr: Inhalte oder Produktentwicklung
  • Donnerstag 19:00–20:30 Uhr: Marketing und Vertrieb
  • Samstag 09:00–12:00 Uhr: größere Aufgaben und Wochenplanung

Behandle diese Termine möglichst wie normale Termine.

Du musst dabei nicht jeden Tag an deinem Unternehmen arbeiten. Zwei oder drei konzentrierte Blöcke sind meistens sinnvoller als sieben Abende, an denen du jeweils ein bisschen anfängst und kaum etwas abschließt.

Pomodoro oder längere Fokusblöcke?

Die klassische Pomodoro-Technik arbeitet mit 25 Minuten konzentrierter Arbeit und einer kurzen Pause. Das kann bei kleinen Aufgaben funktionieren.

Für komplexere Arbeiten sind längere Blöcke häufig praktischer. Beispielsweise 50 Minuten konzentriert arbeiten, zehn Minuten Pause und anschließend eine zweite Runde.

Entscheidend ist nicht die exakte Minutenanzahl, sondern dass du während des Arbeitsblocks nicht gleichzeitig Nachrichten beantwortest, Social Media öffnest und fünf andere Dinge anfängst.

Arbeite zuerst an den Aufgaben mit echtem Ergebnis

Gerade bei neuen Unternehmen entsteht erstaunlich viel Arbeit, die sich produktiv anfühlt, aber kaum etwas bewirkt.

Ein neues Logo, noch ein Planungstool oder die zwölfte Überarbeitung einer Startseite können problemlos ganze Wochen verschlucken.

Frage dich bei jeder größeren Aufgabe:

Was verändert sich für mein Unternehmen, wenn ich diese Aufgabe heute abschließe?

Priorität sollten vor allem Aufgaben haben, die beispielsweise:

  • ein Angebot verkaufsbereit machen,
  • neue Besucher oder Interessenten bringen,
  • bestehende Besucher besser in Kunden verwandeln,
  • Kundenprobleme lösen oder
  • wiederkehrende Arbeit reduzieren.

Das Pareto-Prinzip ist dafür ein brauchbares Denkmodell: Ein relativ kleiner Teil deiner Tätigkeiten erzeugt häufig einen großen Teil der Ergebnisse.

Diese Aufgaben solltest du zuerst identifizieren.

Nutze Social Media als Werkzeug und nicht als Zeitfresser

Social Media kann für ein Unternehmen wichtig sein. Das bedeutet aber nicht, dass du während deiner Business-Zeit permanent durch Instagram, TikTok, Facebook oder LinkedIn scrollen solltest.

Trenne Produktion und Konsum.

Wenn du Social-Media-Inhalte für dein Unternehmen benötigst, kannst du mehrere Beiträge in einem Arbeitsblock vorbereiten und anschließend planen. Auch Kooperationen oder Influencer-Marketing lassen sich wesentlich strukturierter bearbeiten, wenn dafür ein eigener Zeitraum vorgesehen ist.

Das Ziel besteht darin, Social Media aktiv für dein Geschäft einzusetzen, statt deine ohnehin begrenzte Zeit im Feed zu verlieren.

Nutze Wartezeiten und Pendelzeiten sinnvoll

Nicht jede Aufgabe benötigt einen Schreibtisch.

Während einer Zugfahrt kannst du beispielsweise:

  • E-Mails beantworten,
  • Ideen und Gliederungen vorbereiten,
  • Kundenanfragen sortieren,
  • Aufgaben für später dokumentieren oder
  • kleinere organisatorische Arbeiten erledigen.

Wenn du selbst Auto fährst, gehört deine Aufmerksamkeit natürlich auf die Straße. Dann bleiben höchstens Audioinhalte oder Sprachmemos, soweit sie sich sicher bedienen lassen.

Die eigentliche Idee dahinter: Kleine Aufgaben sollten deine wertvollen Fokuszeiten nicht blockieren.

Fasse ähnliche Aufgaben zusammen

Ständiger Wechsel kostet Zeit.

Statt jeden Tag einzeln einen Social-Media-Beitrag, eine Rechnung oder eine Produktbeschreibung zu bearbeiten, kannst du ähnliche Aufgaben bündeln.

Ein Samstagvormittag kann beispielsweise für vier neue Inhalte genutzt werden. An einem anderen Termin erledigst du Buchhaltung oder Kundenkommunikation gesammelt.

Dieses sogenannte Batching reduziert den ständigen Wechsel zwischen völlig unterschiedlichen Tätigkeiten und macht vor allem kurze Arbeitszeiten produktiver.

Automatisiere und delegiere wiederkehrende Arbeit

Mit wachsendem Geschäft solltest du nicht versuchen, jede Aufgabe dauerhaft selbst zu erledigen.

Automatisiere wiederkehrende Abläufe, wo es sinnvoll ist. Das können Terminbuchungen, Standard-E-Mails, Rechnungen, Social-Media-Planung oder Teile der Kundenkommunikation sein.

Aufgaben, für die du weder besondere Kenntnisse benötigst noch einen wichtigen Wettbewerbsvorteil besitzt, lassen sich später gegebenenfalls auslagern.

Dadurch kaufst du dir keine zusätzliche Zeit. Du sorgst lediglich dafür, dass deine vorhandene Zeit nicht für immer mit denselben Routineaufgaben gefüllt wird.

Plane Erholung bewusst ein

Weniger schlafen ist keine vernünftige langfristige Strategie für den Aufbau eines Unternehmens.

Natürlich kann es Phasen geben, in denen du abends länger arbeitest oder ein Wochenende stärker nutzt. Ein Geschäftsmodell, das dauerhaft voraussetzt, dass du Schlaf, Freunde und Erholung abschaffst, hat allerdings eher ein Kapazitätsproblem als ein Zeitmanagementproblem.

Plane deshalb bewusst freie Zeiten ein.

Das macht einen Zeitplan nicht weniger ambitioniert, sondern realistischer.

Wann solltest du deinen Hauptjob kündigen?

Ein wachsendes Nebengewerbe bedeutet nicht automatisch, dass du sofort kündigen solltest.

Interessanter wird dieser Schritt, wenn dein Hauptjob tatsächlich zum begrenzenden Faktor wird und dein Unternehmen bereits belastbare Umsätze erzielt.

Vor einer Kündigung solltest du unter anderem wissen:

  • wie stabil deine Einnahmen tatsächlich sind,
  • wie hoch deine privaten und geschäftlichen Fixkosten sind,
  • wie stark deine Einnahmen schwanken,
  • welche finanziellen Reserven vorhanden sind und
  • ob zusätzliche Arbeitszeit voraussichtlich wirklich mehr Umsatz erzeugt.

Mehr freie Zeit allein macht ein Unternehmen schließlich noch nicht erfolgreicher.

Fazit: Regelmäßigkeit schlägt den perfekten Zeitplan

Du brauchst keinen minutiös optimierten Tagesablauf, um neben deinem Beruf ein eigenes Unternehmen aufzubauen.

Plane einige feste Arbeitsblöcke pro Woche, konzentriere dich zuerst auf Aufgaben mit messbarem Nutzen und entferne Tätigkeiten, die lediglich beschäftigt aussehen.

Wenn du jede Woche einige wichtige Dinge abschließt, entsteht daraus mit der Zeit ein deutlich größerer Fortschritt als aus gelegentlichen Wochenenden voller Aktionismus.